bild dir deine meinung

die bild kennt jeder, wirklich jeder.
aber kaum einer gibt es zu, dass er sie liest. dabei ist die bild europas größte tageszeitung, die sogar auf malle eine eigene druckerei für das "17. bundesland" der bundesrepublik deutschland hat, um am ballermann auch noch die sangria-komatoösen besoffenen mit den neuesten "nachrichten" zu versorgen.
wenn man morgens den bahnhof passiert, den nächsten bäcker betritt oder einfach, wenn man im supermarkt an der kasse steht - man sieht sie immer. die schlagzeilen springen einen regelrecht an. und wenn ich sie irgendwie umsonst in die finger bekomme, durchblättere ich sie meistens. ich genieße es regelrecht, dieses schmierblatt einmal zu überfliegen und dann froh zu sein, meine informationen von anderen quellen aufzunehmen.
doch was machen diese schlagzeilen aus?
ein intelleigenter herr fasste es gut verständlich zusammen:
charakteristische merkmale der BILD-schlagzeilen
+ großformatige schrift und großzügige bebilderung
+ verwendung von schlüsselreizen und reizwörtern (z.b. „blut“, „killer“ etc.)
+kreation neuer komposita durch schlüsselreize (z.b. „wir sind papst“); verleihen den nachrichten einen wiedererkennungswert
+ aufmerksamkeit durch kurios, paradox oder übertrieben passend klingende
schlagzeilen:
“segelflieger von kaktus erschlagen“ (kurios)
“polizist wurde geisterfahrer“ (paradox)
“bücherwurm von büchern verschüttet“ (übertrieben passend)
+ rhetorik: Alliteration und Endreim
+ opferbilanzen: genaue nennung von todesopfern als dramatisierung, steigerung durch anhängen der zahl der verletzten, wenn höher als todesopfer
+ suggerieren von „tod“, durch „falsche fährten“, „aufwärmen“ von älteren todesfällen und setzen von fragezeichen
+ verwendung von ausrufezeichen, um schlagzeilen als ausruf wirken zu lassen
+ meldungen werden durch schlagzeilen sprachlich brachialisiert
+ narrativierung: schlagzeilen werden erzählerisch aufgezogen, meistens wird ein angenehmes ereignis durch ein unangenehmes abgelöst: „nach dem besuch der enkel kam der mörder ins haus“
+ wörtliche zitate: BILD lässt in den schlagzeilen oftmals opfer, zeugen und täter sprechen
+ opfer werden dem leser durch vornamen oder intention vertraut
gemacht – das schafft betroffenheit beim rezipieren der schlagzeile
+ erschreckende und kuriose details fesseln den leser und faszinieren ihn: „mörder kämpfte 7 sekunden mit henker“
+ reduktion: damit der gemeine BILD-leser die nachrichten verstehen kann, werden sie auf ein minimum an komplexität reduziert. das geschieht selbstverständlich auf kosten der rationalität: „haare zu kurz – soldat ertrunken“
+ menschengruppen, die minderheiten repräsentieren, werden gezielt negativiert. der gemeine leser fühlt sich daher als unindividuelles objekt im strom der massen sicher.
+ diese minderheiten sind bevorzugt unmoralische, jugendliche/intellektuelle und die reichen.
+ bestätigung des lesers in seinen grundanschauungen, z.b. wenn ein täter zu seiner „gerechten“ strafe kommt: „hausbesitzer schoss besser: einbrecher tot“.
+ leserbindung: die BILD-schlagzeilen dienen einer bestimmten strategie: den leser verunsichern – sein bedürfnis nach hilfe anregen – vermeintlich hilfe anbieten (z.b.: „in bild erfahren sie, wie sie sich gegen den killer-virus schützen“).
vielen dank an herrn pd dr. martin wengeler!

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