hörspiele

"pssst, still, ein spiel für die ohren wird aufgeführt!"
"wo denn, ich seh' ja gar nichts!"
"natürlich nicht – dies ist ja auch kein schauspiel, sondern ein hörspiel. sie müssen ihre augen schon schließen, um etwas sehen zu können."
das hörspiel ist ein theater ohne bühne. die einzige "bühne" baut sich im kopf auf: das "kopfkino" oder "theater im kopf" - mit einer schier unerschöpflichen akustischen asservatenkammer. an den "sprechenden kasten" musste man sich im frühen 20. jahrhundert noch gewöhnen, denn erst mit der erfindung des radios fand das hörspiel sein passendes medium. und die vorher noch von literaturkritikern belächelte "neue" literarische gattung hörspiel ein geeignetes ventil.
„die bühne, auf der das hörspiel handelt, ist so weit, wie die phantasie des hörers“ - e. wickert
beim klassischen hörspiel wird ein reiner erzähltext oder eine kombination aus dialogen und erzählenden zwischentexten mit musik und/oder geräuschen untermalt. die rezeption von printmedien und radio bzw. tonkassette weisen parallelen auf, z.b. gleiche prozesse der informationsverarbeitung und ein verbaler kommunikationsstil. durch die akustische wahrnehmung kommt es allerdings häufig zu einem stärkeren ansprechen der sinne und damit zu einer intensiveren sinnlichen und emotionalen rezeptionsweise als beim buchlesen. die existenzberechtigung im vergleich zu audiovisuellen medien liegt vor allem in der beschränkung auf akustische reize und der daraus folgenden notwendigkeit uneingeschränkter aufmerksamkeit, konzentration und größerer abstraktionsleistung, da es sich um eine individuellere und schwierigere rezeption handelt und die entwicklung einer vom bild unabhängigen phantasietätigkeit notwendig ist. hörspiele zu hören erfordert eine intensive gedankliche mitarbeit und erzieht zu stille und konzentration. allerdings werden hörspiele oft auch nebenher rezipiert. so werden sie teilweise nicht wie gewünscht aufmerksam rezipiert, sondern bilden eine geräuschkulisse bzw. einen permanenten dauerlärm. dennoch können sie richtig genutzt einen gegenpol zur heute allgegenwärtigen sinnes- bzw. optischen überflutung darstellen und zum hin-hören und mit-denken anregen.
kinderhörspiele richten sich an kinder bis 12 jahre. hier ist eine altersangemessenheit und anschaulichkeit besonders wichtig. meist finden sich geschlossene handlungen, wortdominanz und der einsatz unterschiedlicher stimmen. dabei wird darauf geachtet, dass es nicht zu viele handlungsträger gibt, dialog-wechselspiel kurz und spannungsreich sind und keine längeren monologe oder umfangreiche epische passagen vorkommen.
durch hörspiele wird kinderliteratur tradiert und die kradition der althergebrachten mündlichen erzählkunst lebt auf; es findet also eine art literaturerziehung und hör-erziehung statt. zu beachten ist bei kinderhörspielen jedoch, dass eine polarisierung in anspruchsvolle und triviale produktionen stattgefunden hat. so findet man auf dem markt häufig kommerzielle kinderkassetten, die billige serienproduktion und damit oberflächlich produzierte hörspiele mit flachen handlungen sind. diese kassetten sind jedoch oft die, die kinder besonders gerne und oft hören.
hörspielkassetten bieten die möglichkeit des kollektiven rezipierens und ermöglicht damit ein gemeinsames feeling. vor allem früher war die soziale Komponente des gemeinsamen Hörens wichtig; in den 50er Jahren standen Hörspiele im familienmittelpunkt. heutzutage wird dagegen gehäuft allein gehört. kassetten werden eben genau deshalb eingesetzt, um isolation zu überspielen. die stimme schafft die illusion eines gegenwärtigen menschen und damit ein gefühl von geborgenheit. „kinder holen sich geräusche und stimmen ins zimmer, um die unmöglichkeit der interpersonellen kommunikation zu überspielen“. allerdings kann die emotionale nähe der bezugsperson durch ein hörspiel nicht ersetzt werden.

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